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Reformen ohne Tabu

95 Thesen für Österreich

23 Autoren skizzieren in 95 Thesen in welche Richtung Reformen und Veränderungen für die Zukunftsfähigkeit Österreichs gehen könnten.

  • “Geradezu umstürzlerisch.”


    Neue Zürcher Zeitung
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    Kurier
  • “In kleinen Schritten zum großen Wurf.”


    Trend
  • “Do Tank statt Think Tank.”


    BÖRSEN-KURIER

Blog/Kommentare

12/12/2011 | Gerhard Wlodkowski

Agrarpolitik und gesunde Ernährung sind kein Widerspruch

REPLIK AUF HANNI RÜTZLERS THESEN:

Franz Fischler hat die EU-Agrarpolitik umgekrempelt, seine beiden Nachfolger, Mariann Fischer-Boel und Dacian Ciolos, setzten Fischlers Weg fort. Das Vorbild für diese Neuausrichtung war die ökosoziale Agrarpolitik, die in Österreich erfunden worden ist. Ihr Credo lautet: Die Landwirtschaft wird den Ansprüchen von Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft gleichermaßen gerecht.

So wird die Auszahlung von Geldern aus Brüssel nicht mehr, wie früher einmal, an erzeugten Mengen, sondern an Leistungen für Umwelt, Boden, Klima etc. gekoppelt. Da gibt es Umweltprogramme, die breitflächig angeboten werden (Österreichs Bauern nehmen zu 90 Prozent daran teil). Da bewirken EU-Zahlungen, dass der Biolandbau enorm wächst: Heute werden fast 20 Prozent der Fläche biologisch bewirtschaftet. Da gibt es Projekte und Programme, die die Erzeugung seltener Rassen und Sorten ebenso fördert, wie die Direktvermarktung agrarischer Spezialitäten. Der Erfolg: In Österreich gibt es keine industrielle Landwirtschaft und Österreich hat vielfältigste Landschaft in der EU (EU-Studie aus 2009).

Mit einem Wort: Agrarpolitik und gesunde Ernährung sind kein Widerspruch.

Die Probleme entstehen aus verschobenen Prioritäten: Heute geben Herr und Frau Österreicher nur noch 12,1 Prozent für Essen und Trinken aus, das ist weniger als für Freizeit, Sport und Hobby. Die Hälfte der “Ernährungs”-Ausgaben entfallen außerdem noch auf den “Außer-Haus-Verzehr”, also auf die Gastronomie.

Erst wenn “Geiz ist geil” als Kaufargument wieder verblasst und Speiseöl wieder wertvoller und somit auch teurer sein darf als Motoröl, wird sich das Ernährungsverhalten wieder ändern. Die Landwirtschaft steht für diesen Paradigmenwechsel mit einer gesunden Vielfalt an Produkten bereit.

 

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